„Geschenkt wurde uns nichts“

Annita Malavasi war 22, als sie sich den Partisanen in den Bergen des Apennin anschloss. Über ein Jahr lang transportierte sie Waffen und Informationen und nahm auch selbst an Gefechten teil. All das gehörte sich nicht für eine italienische Frau, und entsprechend abfällig waren einige der Reaktionen, mit denen sie konfrontiert wurde. Nicht unbedingt von den Partisanen. Aber von denen, die in den Tälern saßen, bei geschlossenen Fenstern Partisanenlieder sangen und behaupteten, die Frauen an der Front seinen Huren.

„Geschenkt wurde uns nichts“, nannte der Filmemacher Eric Esser seinen Dokumentarfilm über Annita Malavasi, Gina Moncigoli und Pierina Bonilauri – ein Film, der bisher bitter gefehlt hat. Darstellungen des Widerstands von Frauen sind insgesamt noch immer rar, aber von der Beteiligung italienischer Frauen am Partisanenkampf wissen in Deutschland quasi nur „Eingeweihte“.

Annita Malavasi und ihre ehemaligen Kampfgefährtinnen haben viel zu erzählen. Sie tun es sehr aufrecht, selbstbewusst, mit einem herben Humor und mit Schmerz in den Augen. Alte Frauen, deren Mut und Engagement im Widerstand gegen die deutsche Besatzung nie adäquat gewürdigt wurden. Auch nicht von den Genossen. Ich kenne ihre Geschichten, ihren Schmerz, ihre Verletztheit und ihren Stolz von anderen Frauen, die in anderen Ländern denselben Kampf ausgefochten hatten: Gegen die deutschen Invasoren und Besatzer. Und gegen den Machismo der eigenen Landsmänner. Und die genauso in Vergessenheit  geraten waren, wie diese Italienerinnen, die nun Eric Esser aus dem Vergessen geholt, vor der Kamera postiert und lange und ausführlich befragt hat.

Es ist ihm gelungen, nicht nur die Geschichte dreier Partisaninnen zu erzählen und damit einen Einblick in die Motivationen und das Engagement vieler anderer zu geben. Er konnte die Frauen auch dazu bewegen, ungeschönt über ihre Gefühle und über sehr persönliche Erfahrungen zu sprechen. Damit verleiht er dem Film eine Tiefe jenseits von Heldinnenverehrung und erweist den Frauen nachträglich die schmerzlich vermisste Würdigung ihres Mutes und ihrer historischen Leistung. Ein wunderbarer Film, dem ich ein großes Publikum wünsche.

„Geschenkt wurde uns nichts“, Deutschbland/Italien 2014, Italienisch mit Untertiteln, 58 Minuten

Mehr dazu: http://makeshiftmovies.info/de/filme/geschenkt-wurde-uns-nichts

 

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