Baustelle Frauenkörper

Cool: Jetzt können wir uns unsere Eizellen einfrieren lassen. So lange, bis ein Kind in die Lebensplanung passt. Das Gerangel darum, dass Wirtschaft und Politik endlich bessere Bedingungen für Eltern schaffen: Nicht mehr nötig. Besonders ausgeprägt war es ohnehin nie. Die guten Vorsätze von Paaren, „wir teilen uns die Verantwortung für das Kind gerecht auf“: Forget it! Er kann weiter Karriere machen, und sie jetzt (vielleicht) auch. Das potentielle Kind bleibt erst mal in der Kühltruhe. So muss man gesellschaftlich nichts verändern. Sondern nur am Körper der Frau.

Es gibt, wenn man den Medienberichten der letzten Woche trauen darf, Frauen, die glauben das sei die Befreiung vom „Diktat der Natur“. Die „alles-ist-möglich“-Gesellschaft bietet für jeden vermeintlichen Fehler, jedes vermeintliche Manko eine „Lösung“.

Dabei muss Frau beileibe keine Feministin sein, um zu begreifen, dass das Einfrier-Angebot schnell zur Erpressung werden kann. Sie muss nur realistisch sein mit einem Hauch Vorstellungskraft: „Wie, Sie wollen trotzdem jetzt schon gebären? Tja, dann sind Sie hier wohl fehl am Platz.“

Und wann soll das Einsetzen der befruchteten Eizelle stattfinden? Mit 40, Mitte 40 ist eine Frau in der Hochphase ihrer beruflichen Laufbahn. Mit 50 also? Da ist eine Frau beruflich auch nicht weniger gefordert. Und außerdem in der Hochphase des Klimakteriums. Hat schon jemand erforscht, wie sich das auf den Embryo und auf die Schwangere auswirkt, wenn ihr Körper sich gerade von Fruchtbarkeit auf das Gegenteil umstellt? Und wie Mutter und Kind sich fühlen, wenn das Kind in der heißesten Phase der Pubertät ist, und Mama 63?

Aber mal angenommen, eine Frau will mit 50 kürzer treten. Um endlich das Kind zu bekommen. Ob ihrem Chef das gefallen wird? Ob andere Firmen verzweifelt nach einer Fünfzigjährigen mit Säugling suchen werden? Wir leben bekanntlich in einer Gesellschaft mit eingebautem Jugendwahn. (Sprechen Sie mit ihrem Berater im Jobcenter…).

Und jetzt mal ganz grundsätzlich: Der weibliche Körper ist kein Legospiel. Der weibliche Körper ist keine Baustelle. Der weibliche und überhaupt der menschliche Körper ist etwas ganz wunderbares. An dem niemand herum pfuschen sollte, um ihn „effektiver“, „schöner“, konkurrenzfähiger zu machen.

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