Frau Strobls Lebensweisheiten 1

Wenn ich etwas gelernt habe im Leben,  ist es, dass man immer wenigstens eine Wahl hat. Und bevor jetzt jemand schreit: „dir geht´s wohl zu gut“ – Langsam! Meine Erkenntnis beruht auf Erfahrung.

Ich falle die Treppe im Büro runter. So genial, dass ich mir die Schulter gleich ein paarmal breche. Heißt, abgesehen von ziemlichen Schmerzen: Operation, eine Woche Krankenhaus, und danach noch eine ganze Weile arbeitsunfähig. Für eine freie Autorin ist das eine ziemliche Katastrophe. So. Jetzt kann ich mich verzweifelt gegen diese Situation auflehnen, meine Ängste pflegen, leiden. Oder mir sagen: Okay, so ist das jetzt. Wie kann ich damit am besten umgehen? Was gibt es sonst noch im Leben?

Mit dieser Haltung ertrage ich die Situation besser und mache mir und allen in meiner Umgebung das Leben leichter. Eine Freundin, die unheilbar an Krebs erkrankt ist, hat mir bestätigt, dass das auch für sie gilt. „Grade!“, sagte sie. „Denn wenn etwas unabänderlich ist, macht es dich nur noch mehr fertig, wenn du dich dagegen wehrst oder dran verzweifelst“

Diese Haltung hat mir sogar im Knast geholfen (als politische Gefangene vor zig Jahren). Im Gefängnis kann man nichts, wirklich gar nichts selbst bestimmen. Man kann noch nicht mal eine Tür selbst auf oder zu machen, man wird „umgeschlossen“. Eines aber kann man doch selbst bestimmen, und zwar immer: Die eigene innere Haltung. Und wie man sich anderen gegenüber verhält. Ich kann die anderen Gefangenen respektieren oder nicht. Ich kann freundlich und hilfsbereit sein oder nicht. Ich kann die Zeit für etwas Sinnvolles nutzen oder nicht.

Vom Buddha stammt das Gleichnis von den zwei Pfeilen: Ein Mann wird von einem Pfeil getroffen. Das tut weh und hat womöglich eine böse Verletzung zur Folge. Und nun schießt der Mann selbst einen zweiten Pfeil auf sich ab: Er flucht, verzweifelt, klagt. Der Schmerz des ersten Pfeils ist unvermeidlich. Das Leid, das er sich durch den zweiten zusätzlich zufügt, ist selbstgemacht und vermeidbar.

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