Großes Plädoyer für ein kleines „danke!“

Neulich hatten wir einen Freund übers Wochenende zu Besuch. Ich habe ihn bekocht, ihm liebevolle kleine Zwischenmahlzeiten bereitet, ihn mit Obst, Wasser, Wein versorgt… – und  in diesen 48 Stunden nicht einmal ein „Danke“ gehört. Oder auch ein „Oh das schmeckt aber gut!“

Ich wurde zunehmend  grantiger. Was bildet der sich ein? Denkt er, er hat einen Anspruch darauf, bedient zu werden? Und ich bin sein Dienstmädchen? Wobei ich mich auch bei einem Dienstmädchen bedanken würde. Aber dann dachte ich: Er weiß ja nicht, was ihm entgeht!

Ja, es gibt Menschen, die als Kinder mit der Frage traktiert wurden: „Wie heißt das Zauberwort?“. Die das das als Zwang erlebt und sich, sobald es ging, davon befreit haben. Ich bezweifle nur, dass die Haltung „ich muss mich nicht bedanken!“ glücklich macht.

Für meine Eltern hieß „danke“ sagen, der/dem anderen zu zeigen, dass ich ihre/seine Freundlichkeit, Rücksichtnahme, Großzügigkeit wahrnehme. Und mich darüber freue. Meine Eltern haben sich auch bei mir, dem Kind bedankt.

Ich bedanke mich immer, selbst für die kleinste Kleinigkeit. Weil es mir sozusagen von selbst aus dem Mund rutscht, kombiniert mit einem Lächeln. Die andere Person freut sich so gut wie immer darüber. Und wenn sie dann mit einem wahlweise erfreuten, verblüfften, zufriedenen „gerne!“ antwortet, steigt meine gute Laune weiter.

Ich bin auch für  vieles dankbar, für das ich keinem direkten Gegenüber meinen Dank aussprechen kann. Ich bin dankbar für das Glück, das ich in meinem Leben hatte, für Erfahrungen, die ich gemacht habe, für die Liebe und Freundschaft, die mir geschenkt werden, für all die Privilegien, die ich als Mitteleuropäerin genießen darf… Für die Hilfsbereitschaft, Großzügigkeit, den Mut von Menschen… Für einen blauen Himmel, für einen Regenguss, wenn es lange trocken war, für die Berge, Flüsse, Seen, das Meer, die Wälder, Pflanzen, Tiere… Und, und, und…

Dankbarkeit macht vieles leichter. Sie macht einer/einem selbst und anderen Freude und erleichtert das soziale Miteinander. Sie tut gut. (Und man kann sie lernen.)

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3 Gedanken zu „Großes Plädoyer für ein kleines „danke!“

  1. Pingback: Dankbarkeit niemand bestimmtem gegenüber | Gott und Co.

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