Abenteuer Altwerden 7 – Oma kann Rechner

Kann mal bitte jemand jüngeren Menschen sagen, dass heutige Alte nicht wie im 19. Jahrhundert leben? Dass man ihnen erst dann etwas erklären sollte, wenn man das Gefühl hat, dieser Mensch versteht nicht, was ich sage? Und auch das dann nicht in einem Armer-Oma-was-verklickern-müssen-Tonfall?

Ich sehe noch nicht einmal aus wie eine altmodische Oma. Jeans, Lederjacke, „normale“ Frisur… Aber ich habe natürlich graue Haare, und in meinem Gesicht ist kein Hauch von Lifting. Und nun ist es mir zweimal hintereinander passiert, dass ein (mehr oder weniger)  junger Mann mit mir gesprochen hat, als käme ich aus einer antiquierten Vorabendserie für Senioren.

In meiner Bank zum Beispiel. Nicht in meiner Filiale, da geht man „ganz normal“ mit mir um. Sondern in einer Filiale näher zu meinem Büro, wo mich niemand kennt und man offenbar nur die grauen Haare etc. sieht. Meine Bank fusionierte gerade mit einer anderen, war deshalb von Freitag bis Montag früh außer Betrieb, und sollte dann wieder funktionieren. Tat sie aber nicht. Zumindest nicht online. Ich wollte eine Überweisung machen, rief die Homepage auf – nada. Nicht erreichbar. Dienstag nicht, Mittwoch nicht, und so weiter.

Also ging ich zu dieser Filiale und sagte: Ich kann Ihre Homepage nicht aufrufen. Der junge Mann erklärte mir, die hätte jetzt eine neue Adresse. Bot mir an, sie mir auf seinem Rechner zu zeigen. Ich: Schreiben Sie mir einfach den neuen Namen auf, das reicht schon. Er: Nein, kommen Sie, so können Sie es sehen.

Okay, ich geh gucken. Bitte ihn nochmal, mir die Adresse einfach aufzuschreiben. Frage ihn, ob ich mich da mit dem bestehenden Passwort einloggen kann. Kann ich. Und, fügt der junge Mann hinzu, Sie müssen diese Adresse dann abspeichern. Ja? Wissen Sie, wie das geht? Ich frage mich, ob er mich das jetzt wirklich grade gefragt hat. Sehe ihn etwas ratlos an. Drauf er: Ich zeige Ihnen jetzt mal, wie Sie diese Adresse abspeichern können.

Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich weiß, wie das geht, abspeichern. Vielleicht war mein Ton zu ironisch, jedenfalls guckte er beleidigt. Er wollte ja nur helfen, gell?

Das Alter lehrt mich zum Glück Gelassenheit. Humor hatte ich schon immer. Deshalb hat mich seine automatische Annahme, eine ältere Frau käme mit ihrem Computer nicht zurecht, nicht wirklich wütend gemacht. Aber grantig. Konrad Zuse, der Erfinder des ersten funktionsfähigen Computers der Welt, ist 1995 im Alter von 85 Jahren gestorben. Und ich habe meine Rückenprobleme nicht aufgrund meines Alters, sondern weil ich seit fast dreißig Jahren (zu viel) am Rechner sitze.

Also, heißer Tipp an alle Jungen: Nie etwas von vorneherein annehmen! Erst checken, dann Ratschläge geben. Oder eben keine.

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2 Gedanken zu „Abenteuer Altwerden 7 – Oma kann Rechner

  1. Solidarische Grüße – ich bin zwar „erst“ 43, aber offenbar schon zu alt (oder zu weiblich?), um mir allein einen neuen Rechner zu kaufen. Ich brauchte das Ding kurzfristig, um als zweite Kasss in meiner Buchhandlung zu dienen, langfristig wollte ich ihn mit nach Hause nehmen, als Arbeitsplatz und zum Spielen.
    Der Verkäufer hat keine meiner Angaben (Festplattenart, Mindestzahl an USB-Anschlüssen, Bildschirmauflösung) beachtet, sondern versucht, mir einen überteuerten Ladenhüter aufzuschwatzen – damit könne mein Sohn dann auch toll spielen. Welcher Sohn?
    Nun gut, ich habe einen – aber der muss, bis seine Ersparnisse reichen, weiter auf seiner Möhre spielen. Dass eine Familienfrau mittleren Alters gerne Minecraft spielt, ging in den Kopf des Verkäufers einfach nicht rein.
    Aber gut. Wenn mich die vierten Klassen in der Buchhandlung besuchen, trage ich gerne meine Minecraft-Ohrringe. Da sehe ich dann 10jährigen Jungs die Vorurteile aus dem Gesicht purzeln und wir fachsimpeln eine Runde. Und danach fällt es leichter, Bücher vielleicht auch ein bisschen cool zu finden und vielleicht sogar Testleser bei uns zu werden.

    • Liebe Kirsten Lambeck, es ist ewig her, aber dennoch: vielen Dank! Ich war mitten im Umzug, habe meine Post auf WordPress nicht gelesen und erst jetzt Ihre Nachricht entdeckt… Beste Grüße, Ingrid Strobl

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