Geht es noch?

Das ist jetzt kein BLOG-Beitrag zum Thema Alt-werden. Das ist ein Beitrag zum Thema Habt-ihr-sie-noch-alle? Ich sehe Nachrichten und bekomme erklärt, wie toll die Entwicklung von selbstfahrenden Autos voranschreitet. Wie begeistert auf der letzten Messe Besucher Geräte bestaunten, mit denen sie vom Büro aus ihre Waschmaschine steuern und schon mal ihren Herd anstellen können. Pah! Schnee von gestern! Auf der neuesten Messe werden Waschmaschinen und Herde vorgeführt, die das alles schon selber können, die mit einander kommunizieren und den Haushalt schmeißen.

Dasselbe gibt es für noch viele andere Bereiche des täglichen Lebens. In der Industrieproduktion ist es teils schon Gang und Gäbe. Dito in der Landwirtschaft. Da fahren die Traktoren selbständig übers Feld, messen, wo zu wenig oder zu viel Düngemittel drin steckt, wo was nachwächst und wo nicht und säen und ernten nebenbei auch noch. Und vor allem, und das gilt nicht nur für Traktoren. Die Maschinen treffen alle Entscheidungen selbst.

Wäre das ein Film, ich würde nicht rein gehen, der Horror wäre mir zu groß. Der Mensch gibt freiwillig Entscheidungsprozesse an Maschinen beziehungsweise digitale Systeme ab, die er zwar programmieren kann, dann aber nicht mehr wirklich im Griff hat. Über deren autonome Entwicklungen er schon mal spekuliert aber noch nichts wirklich weiß. Maschinen an die Macht!

Wollen wir das? Was ist so schlimm daran, den Herd anzumachen, die Waschmaschine, die Heizung? Das ist weder Schwerarbeit noch eine besondere intellektuell Herausforderung. Es ist eine selbstbestimmte Handlung, mit der ich entscheide, was wann wie in meinem Haushalt passieren soll. Das tut mir nicht weh, das gehört zum Alltag, das gehört zu mir: Ich tue etwas, und das hat dann entsprechende Folgen. Ich mache den Herd an, setze den Topf drauf, stelle die Hitze ein, fahre sie wieder runter, wieder ein bisschen hoch… Das ist Kochen, das ist Alltag, das ist Leben.

„Die Kehrseite des Fortschritts ist Terror“ schrieb Peter Weiss vor zig Jahren, als es noch nicht mal ein Handy gab. Heute reden Menschen, die damit Geld verdienen wollen, anderen Menschen ein, sie müssten im Alltags nichts mehr tun und auch nichts mehr entscheiden, das könnten alles intelligente Programme erledigen. Und sie könnten sich im Auto seelenruhig mit ihrem Smartphone vergnügen, denn auch das Auto fährt sich selbst. Wenn es dann doch zu einem Unfall, womöglich mit Schwerverletzten oder Toten kommt, ist die einzig relevante Frage nicht die, „warum habe ich mich auf so etwas eingelassen?“ oder die „warum haben wir so etwas hergestellt!?“ sondern: „Wer kann dafür haftbar gemacht werden?“

Wollen wir das alles wirklich? Ich jedenfalls will es nicht. Und ich möchte auch nicht in einer Welt leben, in der die Menschen sich freiwillig selbst entmündigen und ihrer einfachsten Fähigkeiten und Handlungen berauben…

Abenteuer alt werden 6

Trump kommt, Cohen geht. Mit so etwas wie Trump habe ich nicht gerechnet. Dass allerdings die „Götter“ meiner Jugend allmählich sterben, ist keine Überraschung. Traurig macht es mich trotzdem. Und nostalgisch. Um nicht zu sagen: sentimental. Das Wochenende habe ich damit verbracht, „Marianne“, „Suzanne“ und „Like a Bird on the Wire“ vor mich hin zu singen.

Ich hatte in meiner Jugend auch noch andere Götter (und ein paar Göttinnen): Literarische, musikalische, Künstler/innen… Aber nur wenig konnten mich so inspirieren, trösten, anturnen wie die Stones, Eric Burdon, Jimi Hendrix, Traffic, Pink Floyd, die Doors, Bob Dylan und eben Leonard Cohen. Er war zuständig für die wehe Sehnsucht, das Einsamkeitsgefühl. Ich konnte nur selten (wie bei den Stones) den ganzen Song mitsingen, weil mir irgendwann die Tränen die Stimme raubten. (Oder meine beste Freundin mich bat, aufzuhören, weil ich so falsch sang.)

Rockmusik gehörte damals existenziell zu meinem Leben und dem meiner Freundinnen und Freunde. Wir hörten unsere Platten, rauchten dazu Joints oder waren auf Trip. Ein Teil unserer musikalischen Götter und Göttinnen starb am Heroin, noch während wir auf ihre nächste Platte warteten. Andere lebten noch vergleichsweise lange, und einige, Eric Burdon zum Beispiel, Bob Dylan, und mein Obergott Keith Richards leben immer noch… Und als nun Leonard Cohen starb, der Troubadour meiner Traurigkeit, habe ich was getan? Cohen gehört. Klar. Rauf und runter.

Ich bin rockmusikalisch bei Velvet Underground stehen geblieben. Seither habe ich nur noch Nirwana und Amy Winehouse wirklich geschätzt. Und auch gerne mal gehört. Ansonsten bin ich „erwachsen“ geworden. Wenn ich mich traurig fühle, den Blues habe oder auch nur abhängen will, höre ich eher Billie Holiday, Jazz, alte Musik. Kaum jemand kann so schön klagen wie Purcell und Monteverdi. Und dennoch: Tief in mir gibt es eine Sehnsucht, einen Schmerz, und die brauchen bestimmte Stones-Songs, Doors-Songs, Cohen-Songs.

Ich weiß, damit stehe ich nicht allein. Die Flucht in die Tröstungen der Jugend ist ein Aspekt des Altwerdens. Und gerne verbunden mit der sturen Überzeugung, früher sei alles besser gewesen. Die Rockmusik zum Beispiel. Also, die Rockmusik auf jeden Fall!… Wenn ich mich dabei ertappe, schäme ich mich vor mir selber. Ehrlich. Aber eine kleine heisere Stimme in mir flüstert: „So ist es doch!“

Für ein Hörfunk-Feature habe ich einmal eine junge Frau interviewt. Sie hatte die Augen schwarz umrandet, war sehr dünn und sehr intelligent. Ich fragte sie, welche Musik sie hört. Sie zögerte einen Moment, scannte mich und „gestand“ dann: Black Metal. Bis dahin war Metal für mich ein Synonym für Krach gewesen. Nun war ich neugierig geworden. Hörte und stellte fest. Es ist nicht meins, aber es spricht mich an. Ich glaube, wenn ich heute sechzehn wäre, würde ich Black Metal hören.

Ansonsten fürchte ich mich jetzt schon vor dem Tag, an dem Keith Richards stirbt.

Abenteuer Altwerden 5

Was ich am Altwerden auch sehr schätze, ist, dass ich von Männern nicht mehr als Sexualobjekt gesehen werde. Ich weiß, dass viele Frauen darunter leiden, dass sie „nicht mehr gesehen werden“. Womit sie oft den Blick auf sich als potentielle Sexualpartnerin meinen. An dieser Variante des Gesehen-Werdens hat mir, ehrlich gesagt, nie besonders gelegen. Auch nicht in den Zeiten meines Lebens, in denen ich solo war.

Und auch jetzt vermisse ich dieses „Gesehen-werden“ nicht. Genauer gesagt: Ich lebe ohne viel besser. Freier. Angenehmer. Und gesehen werde ich ja trotzdem. Ich lächle Leute nämlich gerne an, spontan, einfach so. Und fast alle lächeln zurück und gucken erfreut. Manche erst nach einem erstaunten Zögern, dann aber umso mehr. Worüber ich wiederum mich so freue, dass ich noch lange Zeit gut gelaunt bin, egal, wie es mir „sonst“ geht.

Natürlich lächle ich nicht ständig. Und es gibt Menschen, die lösen in mir alles Mögliche aus, bloß kein Lächeln. Hipster zum Beispiel, die vor lauter Arroganz und Möchte-gern-Coolness kaum laufen können. Aber ich kann jetzt, in meinem Alter, eben auch Männer anlächeln ohne, dass sie das falsch verstehen. Junge, mittelalte und alte. Selbst hypercoole türkische Jungs reagieren auf mich, als wäre ich ihre Oma. Sie lächeln kurz und verlegen, schauen mich freundlich an, senken dann den Blick und sind wieder höllisch cool.

Ich kann Männer sogar ansprechen, ohne dass sie denken, ich will etwas von ihnen oder biete mich an. Neulich saß ich in der Bahn neben einem kleinen Jungen, der in Richtung Fenster etwas vor sich hin sagte, als spräche er mit seinem Spiegelbild in der Scheibe. Uns gegenüber saß ein Mann, in dem ich seinen Vater vermutete. Ich fragte ihn, ob der Junge gerade eine Geheimsprache spricht (das haben meine Freundinnen und ich als Kinder gerne gemacht). Er lächelte und sagte, nein, das ist Kurdisch. Aber kein türkisches Kurdisch. Woraufhin wir uns so intensiv über die verschiedenen Varianten von Kurdisch unterhielten, dass ich beinahe vergaß, auszusteigen. Ich schaffte es gerade noch und ging gut gelaunt und vergnügt in mein Büro.

Ich erlebe so etwas als eine neue Freiheit. Die Freiheit, die das Alter Frauen bietet. Ich kann auf Menschen zugehen, sie anstrahlen, freundlich sein, ohne, dass irgendjemand denkt, ich will etwas (was auch immer). Irgendwie verstehen alle mein Verhalten richtig. Und wenn jemand nicht zurücklächelt, wird er oder sie einen Grund dafür haben. Es gibt auch Situationen, in denen ich nichts und niemanden um mich herum wahrnehme und auch niemanden anlächle. Weil ich in eine Sorge, ein Problem verstrickt bin oder im Kopf grade einen Text formuliere. Wenn dann aber mich jemand anlächelt, freue ich mich quasi doppelt.

 

Abenteuer Altwerden 4

Richtig gut am Altwerden gefällt mir, dass ich differenzierter werde. Das geht schon eine ganze Weile so und meint nicht einfach nur „man muss die Dinge differenziert sehen“. Was ich erlebe, ist ein Weiterwerden des Blicks.

Ein Beispiel: Ich bin früher viel schwarz gefahren (liebe KVB, macht euch bitte keine Hoffnungen, alles längst verjährt). Zum einen, weil ich mir oft grade kein Ticket leisten konnte oder kein Kleingeld für den Automaten hatte. Zum andern aber auch, weil ich politisch die Position „Freifahrt für alle!“ vertrat. (Die ich im Prinzip auch heute noch vertrete.)

Fahrkartenkontrolleure, „Kontrolettis“, waren somit meine natürlichen Feinde. Ich verstand auch nicht, wie jemand in diesem Beruf arbeiten konnte. Bäh! Armen Leuten und Ausländern, die das Wie-kriege-ich-hier-ein-Ticket-System noch nicht kapiert haben, eine Geldstrafe aufbrummen – wie kann man nur! Was müssen das für reaktionäre Arschlöcher sein! Und es gab tatsächlich Kontrolleure, denen sah und hörte man an ihrem Ton an, dass es ihnen Freude machte, das fahrscheinlose „Gesindel“ zu erwischen und abzustrafen.

Inzwischen habe ich, wenn ich Bahn fahre, eine Ü-60-Monatskarte in der Tasche und schaue mir die „Kontrolettis“ in aller Ruhe an. Die Sorte, die sich wie Hilfssheriffs aufführte, sehe ich nur noch selten. Dafür junge Leute, die sich vermutlich zum Bafög etwas dazu verdienen müssen. Ältere, deren Rente womöglich nicht zum Leben reicht. Und welche im mittleren Alter, die vielleicht dringend einen Job mit flexiblen Arbeitszeiten brauchen.

Viele sind freundlich. Fragen höflich nach der Fahrkarte. Wenn jemand keine hat, verhalten sie sich weiterhin möglichst freundlich und wirken eher bedauernd als triumphierend. Was ich auch beobachte: In der Bahn steht ein junges Ehepaar mit Kinderwagen, es könnten Flüchtlinge sein. Die beiden merken, dass eine Kontrolleurin auf sie zukommt, schauen sich panisch an und blicken dann zu Boden. Die Kontrolleurin mustert die beiden kurz und geht dann, ohne nach den Tickets zu fragen, an ihnen vorbei. Als sie begreifen, was gerade passiert, sehen sie ihr staunend und dankbar hinterher.

Oder: Mir gegenüber sitzt ein junger Mann, der eindeutig kein Geld hat, aufgeregt arabisch in sein Handy spricht und erstarrt, als zwei Kontrolleure auf uns zu kommen. Ich zeige ihnen meine Monatskarte – auf die ich abends und am Wochenende jemanden mitnehmen kann, und sage: „Der junge Mann gehört zu mir.“ Ich sehe ihnen an, dass sie mir kein Wort glauben. Aber sie nicken und gehen weiter. Und der junge Mann atmet wieder aus, lächelt mich an, neigt den Kopf vor der freundlichen Oma. (Liebe KVB, noch eins: Solche Kontrolleurinnen und Kontrolleure kosten euch vielleicht ein paar Tickets. Dafür sind sie unbezahlbare Image-Werbung. Die ihr bekanntlich gut gebrauchen könnt.)

So. Und ich alte Ex-Schwarzfahrerin aus Not und Überzeugung freue mich über solche Kontrolleurinnen und Kontrolleure. Und sehe auch in den anderen keine „Kontrolettis“ mehr, sondern Menschen, die einen Job machen, um den sie vielleicht froh sind, weil sie ihn dringend brauchen. Und denen dieser Job nicht immer Freude macht.

Abenteuer Altwerden 3

Mein Rücken hat sich mal wieder gemeldet. Diesmal in der ganz fiesen Version. Ich habe eine wunderbare Osteopathin und weiß, sie wird mir auch diesmal helfen. Ich weiß aber auch: Das wird wiederkommen. Und es wird vermutlich auch noch schlimmer werden.

Und nun? Nun kann ich versuchen, das umzusetzen, was ich inzwischen nicht nur theoretisch (halbwegs) begriffen habe: Es nützt nichts, mich dagegen zu wehren. Es nützt nichts, zu hoffen, dass das doch noch irgendwie wieder heil wird. Alt werden – und sein – bedeutet, dass der Körper nicht mehr so funktioniert, wie wir es gerne hätten. Dass wir nicht mehr alles von ihm verlangen können. Dass er uns Schmerzen bereitet. Nicht unbedingt immer, aber immer wieder.

Okay, Bewegung, möglichst an der frischen Luft, gesunde Ernährung, gezielte Gymnastik oder sonstige Therapien, das kann helfen. Und genauso auch eine liebevolle Beziehung, soziale Kontakte, Freundschaften, ein offener Geist und ein offenes Herz. All das kann das Voranschreiten der Krankheit, des Gebrechens, der Beschwerden vielleicht  verzögern und/oder die Symptome lindern.

Dennoch: Wir alle werden geboren, werden krank und alt und sterben. Das hat nicht nur der Buddha erkannt, das ist empirisch belegt. Die entscheidende Frage ist also nicht: Wie kann ich Krankheit oder eine Verschlimmerung bereits vorhandener Beschwerden und Erkrankungen vermeiden? Die entscheidende Frage ist: Wie gehe ich damit um?

Auf diese Frage haben kluge und erfahrene Menschen ein paar hilfreiche Antworten gefunden. Eine, die vermutlich entscheidende, lautet: Let it be. Lass es sein. Für mich heißt das: Ich akzeptiere, dass ich diese Krankheit, diese Einschränkung habe, und sie wohl nicht mehr weggehen wird. Dass ich also mit ihr leben muss. Und dass es mein Leben leichter macht, wenn ich mit dieser Tatsache nicht hadere, sie oder mich nicht dafür hasse, etc., pp. Sondern mir sage: Okay, so ist es. Was kannst du jetzt Gutes für dich tun?

Humor zum Beispiel hilft immer. Gut ist auch Selbstironie (sofern sie nicht mit bitter-zynischen Kommentaren verwechselt wird). Hilfreich ist es, bei Schmerzen nicht automatisch sofort etwas dagegen unternehmen zu wollen, sondern sie „einfach“ eine Weile zu beobachten, wahrzunehmen, zu spüren. Manchmal vergehen sie dann sogar von selbst. Oder ich stelle fest: Eigentlich kann ich die grade aushalten. Während das Immer-sofort-auf-alles-reagieren mich nur innerlich hektisch macht und die verzweifelte – und sinnlose – Hoffnung aufrecht hält, mit dem richtigen Medikament, der richtigen Bewegung, dem richtigen Trick würde der Schmerz vergehen und nie wiederkommen, die Krankheit doch heilen und überhaupt alles für immer gut werden…

Abenteuer Altwerden 2

Fit, fit, fit. Wenn man schon alt wird, muss man wenigstens fit bleiben. Einige Sportwissenschaftler sind sich da ganz sicher, und natürlich die Hersteller der Dinger, die man sich beim Laufen, Walken oder was auch immer um den Arm schnallen soll, damit die Krankenversicherung weiß, ob sie einem demnächst wegen „zu wenig Gesundheitsvorsorge“ den Beitrag erhöhen kann.

In meiner Jugend war ich Stones-Fan. So absolut und leidenschaftlich, wie man und frau das damals war. Und eigentlich bin ich immer noch Stones-Fan: der Stones von damals. Wenn ich aber sehe, wie Mick Jagger heute auf der Bühne herumturnt, als hätte er zwei Schachteln Speed geschluckt, dann frage ich mich: Warum tut er das? Warum muss er so tun, als wäre er 20 und topfit? Er ist 73. And so what? Mit 73 kann man ein verdammt guter Musiker sein. Keith Richards ist 72, hat das Gesicht eines neunzigjährigen Junkies und bewegt bei Konzerten nur die Finger. Was seinen Riffs keinen Abbruch tut.

Erfahrene Hausärzte sagen: Jeden Tag eine Runde Gehen hält einen beweglich und stärkt das Immunsystem. Das leuchtet mir ein. Und tut mir tatsächlich gut. Aber ich werde den Teufel tun und mich trimmen. Weder für die „Schönheit“, noch, weil es – angeblich – gesund ist. Ich erlaube mir, selbst (und in Absprache mit meiner Hausärztin) zu entscheiden in welchem Maß ich was mache.

Dabei ist der ganze Fitness-im-Alter-Wahn ohnehin eine Blase. Laut Statistik geht nur ein sehr kleiner Prozentsatz der älteren Bevölkerung ins Fitnessstudio, läuft Marathon oder macht irgendwelche Gewaltmärsche durchs Gebirge, durch Wüsten oder was auch immer. Hausärzte klagen viel mehr darüber, dass die Alten sich zu wenig bewegen.

Das kann nun viele Gründe haben. Manche kommen vielleicht wirklich nur nicht aus dem Fernsehsessel hoch. Oder scheuen sich, alleine rauszugehen. Viele aber haben ihr Leben lang geschuftet und sich dabei mehr bewegt als gesund ist. Wer einer Krankenschwester, einem Altenpfleger, einem Bauarbeiter, einer Serviererin über 60 sagt: „Sie sollten sich endlich mehr bewegen“, hat nicht wirklich nachgedacht. Meine Großmutter war Putzfrau. Als sie ihre – winzige – Rente bekam, hat sie es genossen, endlich ihre Ruh zu haben.

Auf Facebook fand ich ein wunderschönes Foto. Es zeigt fünf alte Frauen, die auf einem alten blechernen Kinderkarussell sitzen und sich miteinander unterhalten. Sie erinnern mich an meine Großmutter. Und lieber Mick Jagger, sie sehen so aus, als kämen sie mit dem Altwerden wesentlich besser und stressfreier zurecht als du.