Eiertanz

Eine der ersten Reaktionen der Polizei nach dem Bekanntwerden der sexuellen Angriffe am Kölner Hauptbahnhof war die Beteuerung: Das waren keine Flüchtlinge! Gut gemeint. Jetzt sagt die Polizei, sie habe in dieser Silvesternacht am Bahnhof bei circa 100 Männern eine Personenkontrolle durchgeführt. Und darunter seien auch Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan gewesen. Und sofort kommt bei allen „Gutmeinenden“ die Angst auf: Jetzt hängen die Rechten das den Flüchtlingen an. Und geht der Eiertanz los: Halten wir zu den Frauen oder müssen wir in erster Linie die Flüchtlinge schützen?

Diese Problemstellung verkennt das Wesentliche: Es geht hier nicht darum, woher die Täter kommen. Es geht hier um männliche Gewalt. Es geht hier um die immer noch vorhandene Frauenverachtung auch in dieser Gesellschaft und schon gar in Gesellschaften, in denen Frauen keine Rechte haben und als dem Manne untertan gelten. Es geht hier um das, was Männer überall tun: Frauen misshandeln, erniedrigen, sexuell „belästigen“, vergewaltigen. Weil sie meinen, als Männer ein Recht darauf zu haben. (Und es gibt von Köln bis zum Hindukusch Männer, die Frauen wertschätzen und Vergewaltigung für genau das Verbrechen halten, das sie ist.)

Auf dem Münchner Oktoberfest geschah ähnliches wie jetzt in Köln. Die Täter: quietsch-weiß. Im Süd-Sudan vergewaltigen die Herren Krieger auf beiden Seiten nicht „nur“ erwachsene Frauen sondern auch bevorzugt kleine Mädchen. Und weiße UN-Soldaten tun exakt dasselbe. In Indien kreisen junge Männer Frauen ein und vergewaltigen sie mit einer Brutalität, die manche der Opfer umbringt. Frauen, die hierzulande auf dem Straßenstrich arbeiten, können ein Lied singen von dem Sadismus, zu dem deutsche wie nichtdeutsche Familienväter imstande sind. Frauen und Mädchen, die von den Helden des „IS“ so häufig und grausam vergewaltigt wurden, dass sie sich kaum noch bewegen können (von ihren seelischen Qualen ganz zu schweigen), haben Angst, dass ihre Familie sie verstößt, weil sie „befleckt“ sind. Pornofilme, die zeigen, wie Frauen sexuell gefoltert werden, drehen und produzieren weiße Männer. Und sehen höchstwahrscheinlich auch Männer, die gerne die-Jungfrauen-im-Paradies im Munde führen.

Solange nicht begriffen wird – von Männern und von Frauen, von Europäern und Nichteuropäern – dass sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung Verbrechen an der Menschenwürde und der Unversehrtheit von Frauen sind, haben Typen wie die am Kölner Hauptbahnhof leichtes Spiel.

Und Frauen: Wehrt euch, wenn euch so etwas zugemutet wird! Schreit euch die Seele aus dem Leib, brüllt, laut, wütend. Das Erfahrung zeigt: Das schreckt diese Typen ab. Das erregt Aufmerksamkeit, und die mögen sie nicht. Und die Polizisten, die „nichts bemerken“ und vielleicht zögern, sich mit dem Mob anzulegen, wenn doch „nur“ ein paar Frauen gegrabscht werden, sehen sich eher gezwungen, einzuschreiten, wenn Frauen laut und anhaltend um Hilfe schreien.

Advertisements